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Germanistik:
Praktika in Düsseldorfer Archiven

Priv.-Doz. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Germanistisches Seminar), Dr. Bernd Kortländer (Heine-Institut) und Dr. Winrich Meiszies (Theatermuseum, v.r.n.l.): Sie ermöglichen Praktika für Germanistik-Studenten.

Pressebild

Priv.-Doz. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Germanistisches Seminar), Dr. Bernd Kortländer (Heine-Institut) und Dr. Winrich Meiszies (Theatermuseum, v.r.n.l.): Sie ermöglichen Praktika für Germanistik-Studenten.
Foto: Rolf Willhardt

"Die Studenten müssen raus aus der Universität und die Erfahrung von praxisbezogenem Arbeiten machen. Und wenn sich dadurch auch eine Identifikation mit der Stadt und unserer Region entwickelt, ist das nur positiv." So faßt Priv. Doz. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann (Germanistisches Seminar) die Ziele der Kooperation ihres Lehrstuhls mit Düsseldorfer Kultureinrichtungen zusammen. Seit kurzem bieten das Heinrich-Heine-Institut und das Theatermuseum Germanistikstudenten die Möglichkeit für Praktika in ihren Archiven. Das Filminstitut hat ebenfalls bereits Interesse signalisiert.

Im kommenden Semester wird den Studenten ein Seminar mit besonderem Bezug angeboten, Titel: "Gibt es ,rheinische' Autoren? Zum literarischen Selbstverständnis einer Region". Fester Bestandteil wird wieder praktische Arbeit "vor Ort" in den Archiven der Kulturinstitute sein, inklusive Bescheinigung. Das selbständige Arbeiten in den Archiven und der kritische Umgang mit den Quellen sind Grundfertigkeiten für Germanistikstudenten, die sie nicht nur zur eigenen Recherche innerhalb ihres Studiums benötigen, so Gertrude Cepl-Kaufmann. Die Fähigkeit, die komplexe Organisation eine Archivs und die gewaltige Materialfülle zu nutzen, sei natürlich auch berufsqualifizierend. Betreut von den Dozenten der Universität und eingewiesen von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Institute, lernen die Praktikanten den Umgang mit Zettelkatalogen und die quellenkritische Analyse des Archivmaterials.

"Es ist sehr reizvoll, sich mit Texten zu beschäftigen, die bislang noch nie untersucht worden sind. Da können sich auch neue Perspektiven, etwa Themen für eine Magisterarbeit , eröffnen", so Dr. Bernd Kortländer vom Heinrich-Heine-Institut. Germanistik-Studentin Judith Vollmer zum Beispiel stieß bei ihrem Archivpraktikum auf unbekanntes biographisches Material des (heute vergessenen) rheinischen Dichters Wilhelm Schäfer: ein interessantes Thema für die geplante Magisterarbeit. Vermutlich wird sie die privaten lexikonartigen Aufzeichnungen von Schäfer über verschiedene seiner Bekannten und Zeitgenossen vergleichen. Der Autor, wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus nicht unumstritten, hat schlichtweg nach 1945 ideologisch nachgebessert.

Auch das Fachwissen der Studenten mit Blick auf die immer bedeutendere regional-orientierten Forschung wird durch die Arbeit mit den Quellentexten vertieft. "Die Praktikanten bekommen ein viel differenzierteres Bild von der historischen Entwicklung der Literatur in unserer Stadt und im Rheinland", so Gertrude Cepl-Kaufmann. Denn die Archive sammeln ja nicht nur die literarischen Meisterwerke und bekannte Namen wie Emil Barth oder Herbert Eulenberg, "die Studenten kommen auch in Kontakt mit der ganzen Bandbreite der Kleinmeister und Vergessenen, die aber genauso zur Literatur- und Kulturszene der Region gehören."

Autor/in: Lutz Mäurer / Rolf Willhardt
Kategorie/n: Pressemeldungen