Die Berlinerin Regine Strätling erhielt heute den mit 15.000 französischen Francs dotierten Stefan-George-Preis 1998.
Der Preis, der zum fünften Male verliehen wurde, will zur Ermutigung junger Übersetzer/innen frankophoner Literatur im deutschsprachigen Raum dienen. Daher trägt er den Namen eines Dichters, der schon in jungen Jahren seine epochale Beaudelaire-Übertragung veröffentlichte und dem deutschen Kulturraum den französischen Symbolismus erschloß. Der Preis wurde vom Conseil International de la Langue Francaise gestiftet und der Heinrich-Heine-Universität in Anerkennung ihres beispielhaften Studienganges Literaturübersetzen übertragen.
Regine Strätling (30) erhält die Auszeichnung für ihr Übersetzungsprojekt "Le Vieux Chagrin", eines preisgekrönten Romans des Frankokanadiers Jacques Poulain. Er zählt in seiner Heimat zu den populärsten zeitgenössischen Autoren, ist aber in Deutschland noch völlig unbekannt.
Als Faszinosum von Romanen französischer Sprache gilt weithin deren erotische Qualität. Der besondere Reiz von Poulains Roman liegt indes gerade darin, daß hier eine hintergründig-spannende Liebesgeschichte erzählt wird, die eigentlich gar keine ist - werden doch von der geliebten Frau nur Fußspuren am Strand des St.-Lorenzstromes sichtbar. Die Hauptvorzüge des Erzählers liegen in zarten Zwischentönen, dem Ineinander von Träumen und Wirklichkeit, leiser Selbstironie. Der leichtschwebende Stil des Autors wird von der Preisträgerin sehr einfühlsam übertragen.
Regine Strätling machte zunächst eine Buchhändlerlehre und studierte anschließend Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Französisch an der Freien Universität Berlin, wo sie mit dem Magisterexamen abschloß. Auslandsaufenthalte führten sie nach Frankreich und Kanada (Quebec). 
Im Rahmen der Preisverleihung erhielten zwei langjährige Jurymitglieder von Rektor Prof. Dr. Gert Kaiser (rechts im Bild) die Ehrenmedaille der Heinrich-Heine-Universität überreicht: der ehemalige französische Diplomat Hubert Joly und die Übersetzerin Gerda Scheffel. 
Hubert Joly ist seit vielen Jahren Generalsekretär des Conseil International de la Langue Francaise. Er war es, der den Vorstand des Conseil davon überzeugte, der Heinrich-Heine-Universität den Preis zu übertragen.
Gerda Scheffel übertrug eine Vielzahl französischer Spitzenautoren ins Deutsche, darunter Andre Gide, Armand Gatti und Robert Pinget. Für die Übersetzung der Werke von Marivaux besitzt sie seit langem eine Art "Monopol".
Literaturübersetzen: Stefan-George-Preis für Regine Strätling
Kategorie/n:
Pressemeldungen