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Politischer Konsum in Deutschland weit verbreitet
Welche Unternehmen in Deutschland besonders häufig boykottiert werden

Politischer Konsum – gemeint sind damit politisch, ökologisch oder ethisch begründete Kaufentscheidungen – ist in Deutschland deutlich verbreitet. Laut einer für die deutsche Bevölkerung repräsentativen Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf geben 62 Prozent der Deutschen an, Waren oder Dienstleistungen aus diesen Gründen zu boykottieren. Rund 43 Prozent kaufen („buykottieren“) Produkte aus eben diesen Gründen. Häufigstes Boykottziel ist die Firma Nestlé, die Politik der USA ist der am häufigsten genannte Boykottgrund.

Gefüllter Einkausfwagen, bei dem einige Waren durchgestrichen sind. Zoom

Kaufen oder nicht kaufen? (Auch) eine Frage des politischen Konsums.

Die Schweizer Firma Nestlé wird besonders häufig boykottiert, oft wegen des umstrittenen Umgangs des Unternehmens mit Wasser. Aber auch viele US-amerikanische Unternehmen sind im Fokus politischer Konsumenten, insbesondere Tesla, Amazon, X (ehemals Twitter) und McDonalds. „Die veränderte politische Lage in den USA und der polarisierende Firmengründer Elon Musk sind für viele Deutsche Gründe, US-amerikanische Unternehmen zu boykottieren“, so der Sozialwissenschaftler Dr. Ole Kelm, einer der Autoren der Studie. Das mit Blick auf Boykotte meistgenannte deutsche Unternehmen ist die Molkerei Müller, dem politische Konsumenten eine Nähe zur AfD vorwerfen. 

Neben dem Boykott haben die Wissenschaftler der HHU auch den sogenannten Buykott, also den politisch, ethisch oder ökologisch motivierten Kauf bestimmter Waren oder Dienstleistungen untersucht: Dabei wurde deutlich, dass Umweltthemen, also biologische, regionale oder ökologische Herstellungsweisen, am häufigsten als Grund für den Kauf genannt werden. 

Auch politische Aussagen von Unternehmen können zu einem Boykott oder Buykott motivieren. So geben 77 Prozent der Deutschen an, dass es sich negativ auf ihren Kauf von Produkten einzelner Unternehmen auswirkt, wenn diese Unternehmen die AfD unterstützen. Bei zehn Prozent der Deutschen hat eine solche Unterstützung dagegen positive Auswirkungen. Umstrittener ist es, wenn Firmen ihre Logos in Regenbogenfarben einfärben: Für die Kaufentscheidungen von jeweils einem Viertel der Deutschen hätte ein solches Vorgehen positive bzw. negative Auswirkungen. Dabei wollen politische Konsumenten mit ihren Aktivitäten nicht zwangsläufig Unternehmen zum Umdenken drängen oder die Politik zu Entscheidungen bewegen. „Politische Konsumenten wollen vor allem mit Einklang mit ihrem Gewissen handeln“, erklärt PD Dr. Marco Dohle, ebenfalls Autor der Studie.

Politische Konsumenten unterscheiden sich in einigen Merkmalen von der Gesamtbevölkerung. „Tendenziell sind politische Konsumenten eher weiblich, hoch gebildet und politisch interessiert. Im Durchschnitt ist ihre politische Orientierung zudem eher links“, so Kelm.

Für die Studie „Politischer Konsum im Alltag“ wurden im April 2025 knapp 1300 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland befragt. Die Studie entstand im Rahmen des Citizen-Science-Projekts „Politischer Konsum im Alltag“, das von der Bürgeruniversität der HHU gefördert wurde. Neben der Befragung wurden durch eine Tagebuchstudie zudem das alltägliche Konsumverhalten von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Informationsgrundlagen für Boykotte und Buykotte genauer unter die Lupe genommen.

Die Studie ist unter https://doi.org/10.31235/osf.io/d9g4s_v1 abrufbar. 

Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen