Vortrag im Rahmen der Ausstellung: Polargebiete – Expedition in die Extreme
Referentin: Dr. Katrin Linse (British Antarctic Survey, Cambridge)
Das Zooplankton – also die Tiere, die mit den ozeanischen Strömungen treiben – spielt eine zentrale Rolle in arktischen Ökosystemen. Viele Gruppen sind herbivor und damit das Verbindungsglied zwischen Primärproduzenten (Algen) und Konsumenten wie Fischen und Walen. Darüber hinaus trägt das Zooplankton über absinkende Kotballen und durch aktive Wanderungen in der Wassersäule zum Kohlenstoffkreislauf bei. Die meisten Arten im arktischen Zooplankton gehören zu den nur wenige Millimeter großen Ruderfußkrebsen (Copepoden). Einige dieser Arten überwintern ohne Nahrung in Tiefen von bis zu 1000 Metern und kehren im Frühjahr an die Oberfläche zurück, sobald Phytoplankton verfügbar ist. Lange Zeit wurden Zooplanktonproben ausschließlich mit Netzen gesammelt und unter dem Mikroskop analysiert. Dies liefert jedoch nur grobe Informationen zur Tiefenverteilung, und die Anzahl der Individuen verschiedener Arten lässt sich nur eingeschränkt mit den Umweltbedingungen in Beziehung setzen. Optische Zooplanktonrekorder bieten hier neue Möglichkeiten: Sie nehmen kontinuierlich Bilder auf und messen gleichzeitig Umweltparameter wie Temperatur und Salzgehalt. Auch im Labor kommen bildanalytische Verfahren zum Einsatz. Hier werden fixierte Netzproben gescannt und die Organismen mithilfe KI-gestützter Software identifiziert. So lassen sich Proben deutlich schneller und standardisierter auswerten als unter dem Mikroskop. Besonders gut eignen sich diese Verfahren für arktische Organismen, da diese im Vergleich zu borealen oder tropischen Arten oft deutlich größer sind. In der Framstraße, die den Nordatlantik mit dem Arktischen Ozean verbindet, werden daher seit mehr als zehn Jahren die Biogeographie und Biodiversität des Zooplanktons mit optischen Methoden untersucht. Im Vortrag werden diese Methoden vorgestellt, ein Einblick in die Vielfalt der arktischen Zooplanktonorganismen gegeben und dargestellt, wie sich die Zooplankton-Gemeinschaften im kalten Ostgrönlandstrom im Westen und im warmen, salzreichen Westspitzbergenstrom im Osten der Framstraße unterscheiden und wie sich diese im letzten Jahrzehnt verändert haben.
Die Ausstellung ist bis zum 12. Juni 2026 im Haus der Universität zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Weitere Informationen unter: https://www.polarscience.de/