„Bürgerbeteiligung verändert sich und entwickelt sich weiter. Eine wissenschaftliche Begleitung hilft dabei, die Stärken und Schwächen verschiedener Formate in den Blick zu nehmen und für zukünftige Angebote zu lernen“, erklärt Stefan Marschall.
Der Bürgerrat bringt 80 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus allen Regionen Nordrhein-Westfalens zusammen, um zentrale gesellschaftliche Fragen zum Leben und Wohnen im Alter und bei Pflegebedürftigkeit zu diskutieren. Dabei geht es auch um die Chancen und Risiken des Einsatzes digitaler Hilfsmittel und Künstlicher Intelligenz zur Unterstützung eines selbstständigen Lebens. Ziel ist es, konkrete Empfehlungen für die Politik zu erarbeiten.
Die wissenschaftliche Begleitung stellt sicher, dass die Arbeit des Bürgerrats systematisch ausgewertet und weiterentwickelt werden kann. Im Fokus steht dabei die Frage, wie das Verfahren abläuft, wie die Teilnehmenden selbst den Bürgerrat wahrnehmen und welche Erkenntnisse sich für zukünftige Beteiligungsformate gewinnen lassen. Hierfür werden die Mitglieder zu drei Zeitpunkten im Verlauf des Prozesses befragt. Ergänzend werden Interviews mit beteiligten Akteurinnen und Akteuren des Landtags geführt. „Wir wollen möglichst alle Sichtweisen auf den Bürgerrat in den Blick nehmen, um ein umfassendes Bild zu bekommen“, erklärt Projektmitarbeiterin Dr. Nadja Wilker.
Die Evaluation orientiert sich an zentralen Qualitätskriterien, die gemeinsam mit dem Landtag NRW definiert wurden. Dazu zählen eine inklusive und möglichst repräsentative Zusammensetzung der Teilnehmenden, die Qualität der eingesetzten Materialien und Verfahren, die Anschlussfähigkeit der Ergebnisse an parlamentarische Entscheidungsprozesse sowie die Stärkung politischer Kompetenzen und Selbstwirksamkeit der Bürgerinnen und Bürger.
Stefan Marschall ist Professor für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt auf dem politischen System der Bundesrepublik Deutschland und ein ausgewiesener Experte für politische Kommunikation, Partizipationsforschung und die Evaluation politischer Beteiligungsformate. Er und sein Team verfügen über langjährige Erfahrung in der Analyse demokratischer Beteiligungsverfahren auf lokaler, Landes- und Bundesebene.
Mit der wissenschaftlichen Begleitung leistet die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung politischer Beteiligungsformate und zur Stärkung demokratischer Prozesse in Nordrhein-Westfalen.